Nun hat Google auch den größten Anbieter für AdServertechnologie gekauft, den es gibt http://www.heise.de/newsticker/meldung/88236. Immerhin hat sich google hiermit ein Unternehmen einverleibt, das in nicht absehbaren Zukunftsszenarien irgendwann vielleicht einmal Geld verdienen wird, sondern bereits richtig dick vom Geschäft mit der Werbemittelauslieferung profitieren dürfte.
Amüsiert verfolgte ich ein paar Diskussiosbeiträge in Foren in denen sich darüber Lustig gemacht wurde, dass google mittlerweile alles zu kaufen scheint, was nicht bei drei auf den Bäumen ist und auch noch bereit ist, dafür jeden Preis zu zahlen, Hauptsache kein Konkurrent bekommt den Zuschlag. Für mich macht dieser Deal sehr wohl Sinn. Man mache sich einmal das geballte Know-how über das Nutzungsverhalten der User im Internet klar, über das sowohl google als auch DoubleClick verfügt. Und überlegt man sich dann was passiert, wenn in absehbarer Zeit diese Wissen gematched wird, braucht man keine große Phantasie um das Bild vom gläsernen Internetuser zu bekommen. Hier assimiliert ein sehr starkes Internet Unternehmen ein starkes anderes Internet Unternehmen.
Selbstverständlich ist es googles Kerngeschäft, Werbung im Internet zu verkaufen und erlaubt, sich entsprechend Firmen zuzukaufen, die dieses Ziel stärken oder ausbauen. Nur denke ich mir, dass googles Marktmacht mittlerweile beängstigende Ausmaße annimt. Welcher User kann das Internet nutzen, ohne dabei irgendwo Daten zu hinterlassen, die google aus- und verwerten kann? Selbst wer die Suchmaschine von Yahoo nutzt, um google zu umgehen, kann sich dort ein DoubleClick Cookie abholen, das ein Werbekunde über seine Agentur setzen läßt. Im Idealszenario wird google einmal das komplette Verhalten eines Users mittracken und sich ein entsprechendes Profil über ihn ablegen können. Immerhin bietet der Konzern mittlerweile alle erdenklichen Onlinedienste an, von der Suchmaschine über den Freemail Account, Stadtpläne, Satelitenbilder, Shopvergleiche, News, etc. Damit lassen sich Profile erstellen, von der jede Regierung eines Staates nur Träumen kann.
Das alleine könnte einen schon nachdenklich stimmen. Die Tatsache, dass es sich bei google um ein Unternehmen handelt und man nicht wirklich sicher sein kann, was mit den vielen Millionen Profilen angestellt wird, die da zusammengestellt werden (könnten) sollte einen schon unruhig stimmen. Datenschutzgesetze hin oder her, Yahoo hat schon vorgemacht, dass sie Daten über Dissidenten preisgeben, wenn ein für das Unternehmen wichtiger Staat danach verlangt. Wer kann schon sagen, welche Daten zwischen Unternehmen und Staaten ausgetauscht werden, wenn es um den “war against terrorism” geht und wer kann schon sagen, ob da nicht auch viele intimste Daten unbedarfter Onlilneuser weiter gegeben werden?
Ich möchte keine zu schwarzes Bild malen. Und vielleicht sind viele Dinge noch Zukunftsmusik oder werden so nie eintreffen, weil sich google seiner Verantwortung bewußt ist. Zumindest versucht google sich in der Öffentlichkeit als menschenfreunliches Underdog Unternehmens zu presentieren. Hoffen wir, dass dies nicht nur Lippenbekenntnisse sind.
Du hast vollkommen recht. Was den Datenschutz betrifft, bewegen wir uns im WWW auf sehr dünnem Eis. Wenn man diesen “Roten Faden” den du gerade zu Regierungen gespannt hast weiter verfolgst, wirst du rausfinden, dass nicht die Regierungen diejenigen sind, die sich den “Gläsernen Menschen” ausgedacht haben, sondern meist Leute, die gerade in Englisch sprachigen Bildungskreisen wie der Universitäten-Landschaft in England und Amerika tätig sind und ihre ganz eigenen Vorstellungen von der Nutzung des Internets als Massen-Manipulations Medium haben. Bertrand Russel wäre hier ein Interessanter Name als Einstieg in dieses Thema. Es gibt allerdings auch “neuere” Manipulationsprojekte als die um die zeit des Zweiten Weltkrieges.
Have Fun!
Pascal